Was können Sie im Falle eines Behandlungsfehlers tun?

Nachstehende Checkliste ist als Hilfestellung gedacht. Selbstverständlich stehe ich Ihnen jederzeit mit Rat und Tat zur Seite.

1. Schritt: Verfassen eines Gedächtnisprotokolls, Sichern von Beweismitteln

Um nichts Wichtiges zu vergessen, ist das Verfassen eines sog. Gedächtnisprotokolls empfehlenswert. Hier bietet sich die chronologische, stichwortartige Beschreibung der Geschehnisse an, welche Ihren Behandlungsfehlervorwürfen zugrunde liegen. Dokumentieren Sie Ihre Schmerzen, Einschränkungen und benennen Sie die Ärzte bzw. Krankenhäuser möglichst genau. Hier können auch Ärzte, die Sie vor den Geschehnissen (sog. Vorbehandler) oder Ärzte, die Sie nach den möglichen Fehlern behandelt haben (sog. Nachbehandler), von Bedeutung sein.

Bitte machen Sie Fotos von Ihren fehlerbedingten Verletzungen, ggfs. auch im weiteren Zeitablauf, um den Genesungsprozess oder etwaige dauerhafte Beeinträchtigungen zu dokumentieren. Sammeln Sie erhaltene Arztbriefe. Schreiben Sie sich möglichst konkret auf, worin Sie einen Fehler bzw, die Fehler des Arztes sehen (Formulierung des Behandlungsfehlervorwurfes).

Zum Beratungsgespräch bei mir bringen Sie diese Unterlagen bitte alle mit.

2. Schritt: Einsichtnahme in die Behandlungsdokumentation

Als Patient haben Sie das Recht, Einsicht in Ihre schriftlichen Dokumentationen der ärztlichen Behandlung zu nehmen. Dieses Einsichtsrecht bezieht sich nicht nur auf etwaige Arztbriefe, sondern z.B. auch auf die Karteikartenaufzeichnungen, Röntgenbilder oder andere Geräteaufzeichnungen. Für die Kopierkosten und das Porto steht dem Arzt ein angemessener Ersatzanspruch zu.

Die schriftliche Dokumentation ist die Basis der weiteren juristischen Aufarbeitung und daher sehr wichtig. Anbei ist ein kostenloser Musterbrief zu Ihrer Unterstützung beigefügt:

Musterbrief.pdf

Lassen Sie sich hier nicht „abwimmeln“. Manche Krankenhäuser oder Arztpraxen lassen sich hier gerne mahnen. Sollten Sie dennoch die Kopien der Dokumentation nicht übersandt bekommen, dann wenden Sie sich gerne an mich. Ich unterstütze Sie gerne. Zu einem möglichen Beratungsgespräch bringen Sie diese ärztlichen Unterlagen dann bitte ebenfalls mit.

3. Schritt: Kontakt zur Krankenversicherung – Gutachtenerstellung

Zumeist ist weder der Patient noch der Anwalt ein Arzt, d.h. es wird zur Beurteilung des Sachverhaltes aus ärztlicher Sicht ein Gutachten benötigt. Nur ein Arzt kann beurteilen, ob ein bestimmtes Verhalten noch dem Sorgfaltsmaßstab entsprach oder eben nicht mehr.
Als gesetzlich versicherter Patient haben Sie einen Anspruch auf ein kostenloses ärztliches Gutachten durch die Krankenkasse. Die gesetzlichen Krankenversicherungen haben hierfür Spezialabteilungen, welche dem Vorwurf eines Behandlungsfehlers nachgehen und Sie hierbei unterstützen. Die Krankenkassen senden dann nach Vorliegen aller Informationen und Unterlagen einen Gutachtenauftrag an den Medizinischen Dienst der Krankenkassen (kurz: MDK). Hier erstellt dann ein unabhängiger Facharzt desselben Fachgebiets ein Gutachten zumeist nach Aktenlage.

Sobald Ihnen dieses vorliegt, lassen Sie sich dieses bitte zusenden und bringen es – auch wenn es zunächst vielleicht keinen Behandlungsfehler bestätigt – zu einem etwaigen, Beratungsgespräch bei mir mit. Häufig ist es hier sinnvoll, ein sog. Ergänzungsgutachten zu beantragen, wenn etwaige Kritikpunkte noch nicht ganz aufgearbeitet sind. Hierbei unterstütze ich Sie dann gerne.

Privatpatienten, Beihilfeberechtigte und Berechtigte der Freien Heilfürsorge können sich ebenfalls an Ihre jeweiligen Leistungserbringer für eine gutachterliche Stellungnahme wenden.

Darüber hinaus besteht ebenfalls die Möglichkeit, auf eigene Kosten ein Privatgutachten erstellen zu lassen. Hier gibt es Institute, bei welchen Sie einmal unverbindlich anfragen können.

Sollten Sie hier nicht weiter kommen, so bleibt noch die Durchführung eines Schlichtungsverfahrens. In diesem Verfahren wird ebenfalls ein ärztliches Gutachten eingeholt und das Verfahren ist für den Patienten kostenlos. Die Schlichtungsstellen wurden bei den Ärztekammern organisatorisch eingerichtet, um Behandlungsfehlervorwürfe aufzuklären und bei Unstimmigkeiten zu helfen. Sie sind mit Ärzten und Juristen besetzt und unabhängig. An diesem Verfahren nehmen der Patient und der Arzt teil. Die Durchführung ist von der Zustimmung beider Seiten abhängig, sonst kann das Verfahren nicht durchgeführt werden. Am Ende des Verfahrens steht eine sog. Schlichtungsempfehlung, welche ggfs. einen Behandlungsfehler bestätigt.

Das Ergebnis der Schlichtungsstelle hat keinen bindenden Urteilscharakter und ist für die Beteiligten als Empfehlung zu sehen. Weitere Informationen erhalten Patienten aus dem Norden unter

www.norddeutsche-schlichtungsstelle.de

Der Antrag auf Durchführung eines Schlichtungsverfahrens bei der Norddeutschen Schlichtungsstelle in Hannover ist mit dem folgenden Vordruck zu stellen:

Schlichtungsantrag.pdf

Für die Geltendmachung Ihrer Ansprüche bringen Sie dann bitte zu dem Beratungstermin sowohl das Schlichtungsgutachten als auch die Schlichtungsempfehlung mit. Gerne berate und unterstütze ich Sie bei der Durchführung des Schlichtungsverfahrens. Fragen Sie einfach unverbindlich nach.

Sonderfall „Zahnersatz“: Bei Problemen mit dem Zahnersatz muss der Zahnarzt innerhalb der zweijährigen Gewährleistungsfrist nachbessern. Deshalb sprechen Sie bitte zunächst mit dem Zahnarzt über Ihre Schwierigkeiten. Häufig kann der Zahnarzt hier mit Nachbesserungen helfen. Sollten jedoch die Nachbesserungen Ihre Beschwerden nicht beseitigen oder sollte der Zahnarzt Nachbesserungen ablehnen, dann wenden Sie sich bitte an Ihre Gesetzliche Krankenversicherung. Die Kasse lässt den Zahnersatz dann durch einen Gutachter prüfen. Sobald das Gutachten vorliegt, wenden Sie sich gerne an mich und rufen mich für eine Terminvereinbarung an.

Lassen Sie jedoch keinesfalls ohne vorherige Begutachtung Arbeiten eines anderen Zahnarztes vornehmen, da dann der Nachweis eines Mangels nicht mehr möglich ist. Zum Abbruch der Behandlung sind Sie erst berechtigt, wenn die notwendigen Maßnahmen durch den Zahnarzt abgelehnt worden sind oder der Zahnersatz wegen einer schlechten Planung oder Durchführung unbrauchbar ist.

4. Schritt: Ihre Rechtsschutzversicherung für eine Erstberatung kontaktieren

Manchmal bezahlt man über Jahrzehnte seine Versicherungsprämien und vergisst diese dann im Fall der Fälle im Ordner. Um dies zu vermeiden, rufen Sie vor dem Beratungstermin bei mir in der Kanzlei bei Ihrer Rechtsschutzversicherung an und bitten um Kostendeckung für eine sog. Erstberatung. Zumeist erhalten Sie dann schon eine Schadensnummer, welche Sie dann bitte notieren und mir hergeben. Alles Weitere veranlasse ich dann von hier aus.

5. Schritt: Beratungstermin vereinbaren und Haftungsansprüche geltend machen

In diesem Termin machen wir dann Bestandsaufnahme und erarbeiten eine individuelle und für Sie zielführende weitere Vorgehensweise. Sodann kann ich Ihnen Ihre möglichen Rechtsansprüche erläutern und vielleicht sogar schon eine erste unverbindliche Einschätzung der Anspruchshöhe abgeben. Selbstverständlich biete ich meine Unterstützung aber auch telefonisch oder online an.


WISSENSWERTES
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